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Drachen

Der Drachensport -in unseren Regionen oft noch als Kinderspiel belächelt und verkannt- hat sich insbesondere in den letzten Jahren zu einer sportlichen Freizeitalternative entwickelt. Dies ist im Wesentlichen im Bereich der Lenkdrachen mit seinen unterschiedlichen Sparten geschehen. Ob im Buggy (ein dreirädriges Gefährt mit lenkbarer Vorderachse), auf dem Surfbrett, im Kanu, auf dem Ski, auf den Schlittschuhen vom Drachen gezogen, mit Kunstflugfiguren einzeln oder im Team auf der Wiese bis hin zu Trickflug beim "Indoorkiting" (Drachenfliegen in der Halle) ist alles möglich.

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Was geschieht ?

Schriftliche Aufzeichnungen über Drachen stammen aus China rund 1.000 Jahre vor Christus. Vermutlich sind aber, da die Herstellung von Seide schon seit rund 2.000 Jahren vor Christus in China bekannt war und es dort auch ausreichend Bambus gab, erste Versuche mit Drachen auch dementsprechend älter. In der westlichen Welt gibt es die ersten Aufzeichnungen seit rund 200 Jahren nach Christus aus Griechenland von dem Mathematiker Archytas von Tarent.

In Asien und Polynesien wurden die Drachen von China aus durch buddhistische Mönche weiterverbreitet. Dort haben sie auch heute oft noch religiöse und zeremonielle Bedeutung.

Erste praktische Nutzen durch Drachen sind aus Japan bekannt. Dort wurden große Drachen für das Emporheben von Bogenschützen verwendet und bei dem Bau von Türmen (Baumaterialien wie Kacheln und Ziegel wurden in die Höhe transportiert).

In Indien werden etwa seit dem 4. Jahrhundert kleine Kampfdrachen aus Papier und Bambus geflogen. Holländische Kaufleute brachten diese Drachen 1543 nach Japan. Noch heute werden im März mit besonderer Leidenschaft die "Nagasaki Hata" in den traditionellen Farben rot, weiss und blau (den Farben der holländischen Flagge) gebaut und geflogen.

Eine Abwandlung dieser Drachen dient in Malaysia heute noch zum Fischfang, weil die Schatten der Drachen auf dem Wasser einem Blatt ähneln.

Kaufleute um Marco Polo waren es, die 1282 Drachen aus Asien mit nach Europa brachten. Seit dieser Zeit dienten die Drachen im Wesentlichen zum Zeitvertreib und als Kinderspielzeug auf den abgeernteten Feldern im Herbst.

1826 benutzte der Engländer Pocock einen Drachen, um eine Kutsche damit anzutreiben. Da man keinen Wegezoll für drachenbetriebene Fuhrwerke kannte, sparte er dadurch die Gebühren.

Die erste Überbrückung der 240m langen Schlucht der Niagarafälle erfolgte 1847 mit einem Drachen. Durch nachfolgend herübergezogene, immer schwerere Seile konnte die erste Eisenbahnhängebrücke zwischen Kanada und den USA hergestellt werden.

Seit 1887 experimentierte in Frankreich C. Jobert mit Drachen, um damit eine Rettungsleine von gestrandeten Schiffen zur Küste zu spannen.

Drachen haben in der Geschichte der Wissenschaft ihren festen Platz. Bereits 1749 brachte Alexander Wilson in Schottland ein Gespann von 6 Drachen 915m hoch, um mit in der Flugleine befestigten Thermometern die Temperaturunterschiede in den verschiedenen Lufthöhen nachzuweisen.

Im Juni 1752 benutzte Benjamin Franklin in den USA einen Drachen zum Nachweis der elektrischen Energie von Blitzen in Gewittern. 1887 wurden mit Drachen die ersten fotografischen Luftaufnahmen durch den britischen Meteorologen Archibald gefertigt. Am 12.12.1901 gelang Marconi mit einer durch einen Drachen auf 122m Höhe gebrachte Antenne die erste drahtlose Übertragung von Funksignalen von Cornwell nach Neufundland.

Die von dem in Australien lebenden Lawrence Hagrave entwickelten Kastendrachen wurden von 1893 bis in die 20ger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts vom US-Wetteramt im Blue Hill Observatorium zur Wettervorhersage benutzt.

Zur gleichen Zeit fanden in Deutschland regelmäßige Drachenaufstiege zur Wettererforschung bis in Höhen von 2000m statt. Der Weltrekord eines Höhenfluges wurde 1919 in Lindenberg aufgestellt. Damals erreichte ein Drachengespann die Höhe von 8425m.

Kastendrachen haben auch einen großen Anteil an der Entwicklung der Luftfahrt. Erste Versuche erfolgten zwischen 1799 und 1809 mit Modellgleitern durch Sir George Cayley, der erstmalig 1804 einen Gleiter mit einem Gewicht von ca. 80 Pfund über eine längere Strecke flog.

Um 1900 benutzten die Gebrüder Wright Doppeldeckerdrachen für die praktische Erprobung von Steuerung und Flügelverbindung für ihre ersten Flugzeugprototypen.

1902 baute der Amerikaner Samuel F. Cody für das englische Militär ein System von Kastendrachen. Damit wurden Beobachter bis zu 800m hoch getragen. Zeitgleich betrieb der französische Lieutenant Saconney ähnliche Entwicklungen für die französische Infanterie. In Deutschland wurden mit ähnliche Systemen Beobachter von U-Booten gestartet, um deren Sichtbereich auszudehnen.

Die NASA experimentierte immer wieder mit Drachen für den sanften und zielgenauen Rücktransport wieder verwendbarer Raketeneinheiten. Francis M. Rogallo -Vater der Hanggleiter- entwickelte dazu zunächst 1948 Drachen mit flexiblen Flügeln, deren Gestänge schließlich durch aufblasbare Holme ersetzt wurden und die ihre Stabilität durch die Tragleinen in einer Verbundwaage erhalten.

Einen Himmelsanker besonderer Art entwickelte 1963 der Amerikaner Jalbert. Durch die Nutzung von Ballon-, Fallschirm-, Tragflächen- und Drachenmerkmalen gelang ihm die Erfindung eines gestängelosen, durch Druckwind aufgeblähten und dadurch steifen Flügels mit enormer Auftriebskraft, der als Parafoil sowohl in die Drachengeschichte einging als auch in abgewandelter Form heute als moderner und steuerbarer Fallschirm den herkömmlichen Rundkappen-Fallschirm weitestgehend abgelöst hat.

Bereits 1944 entwickelte Paul E. Garber einen steuerbaren Zieldrachen zum Training der amerikanischen Luftabwehr. Doch erst der 1974 von Peter Powell entwickelte lenkbare Drachen, der der Form des Eddy sehr ähnlich ist, revolutionierte den modernen Drachensport. Die Ära der Lenkdrachenfreunde begann mit dem Peter Powell Stunter rund um die Welt.

Spektakulär war die Verwendung der von Wolf Behringer entwickelten steuerbarem Segel, die Reinhold Messner und Arved Fuchs zur Unterstützung der Fortbewegung 1989 in der Antarktis benutzten.

Die Geschichte der Drachen ist noch nicht zu Ende. Mit überdimensionalen stablosen Figuren hat der Neuseeländer Peter Lynn in den vergangenen Jahren neue Maßstäbe am Drachenhimmel gesetzt. Er war es auch der die Fortbewegung mit Drachen wieder aus der Vergangenheit geholt und mit den Buggykonstruktionen die sich in der Zwischenzeit zusammen mit dem Drachensurfen zu eigenständigen Sportarten entwickelt haben.

 

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